Wird die Kraft der Natur optimal eingesetzt, entfaltet sie beträchtliche Heilkraft. Das Steirische Unternehmen Ewalia weiß diese Kraft zu nutzen und wuchs zum internationalen Player in der Pferdebranche heran.

Auf einem selbst gebauten Zeichentisch in einer Garage in Hollywood entstanden die ersten Walt-Disney-Filme. 53 Jahre später machte Steve Jobs rund 550 km weiter südlich, ebenfalls in einer Garage, seine ersten Produkte funktionsfähig. Sie sollten später unter dem Firmennamen „Apple“ Weltbekanntheit erlangen. Die Garage war für viele namhaften Firmen der Ort, an dem alles begann. Wo konstruiert wurde, Pläne entstanden und andere wieder verworfen wurden. Erfolgreiche Garagenfirmen gibt es aber nicht nur in Übersee. Auch ein namhaftes österreichisches Unternehmen hat ähnlich begonnen. Cornelia und Ewald Seidl tüftelten zwar nicht zwischen Winterreifen und Werkzeugkisten, dafür aber im Reiterstüberl des eigenen Stalls an den ersten Rezepten für ihre Kräutersäfte. 2016 gründeten sie das Unternehmen Ewalia und spezialisierten sich auf die Herstellung von Naturprodukten für die Gesunderhaltung von Pferd und Hund. Mittlerweile werden sie von 17 Mitarbeiter*innen unterstützt und haben es zu europaweiter Bekanntheit gebracht. 

Was die Oma noch wusste

Die Gründer erkannten schon vor fünf Jahren den heutigen Zeitgeist und besonnen sich auf Althergebrachtes. Das eingesetzte Wissen um die Wirkung der Kräuter und die Zusammensetzung der Rezepturen nahm zwei Generationen früher ihren Ursprung. Ewald Seidls Großmutter setzte bei den hofeigenen Norikern schon seit jeher auf die Kraft der Natur. „Die Oma hat immer gewusst, welches Kräutl sie nehmen muss“, erzählt ihr Enkel heute stolz. Das Vermächtnis der Seidl’schen Großmutter nutzten Ewald und Cornelia zunächst für private Zwecke. Cornelias Nachwuchs-Turnierpferd Quattro litt an chronischem Husten. Die Karriere des jungen Sportpferdes stand auf der Kippe. Das Ehepaar suchte vergeblich nach wirksamer Medizin, die zugleich natürlich und chemiefrei war. Die Suche blieb erfolglos, weshalb die Steirer entschieden, selbst den Kochlöffel zu schwingen. Mit Hilfe des Kräuterwissens der Oma, moderner Kräuterkunde und dem Input von Veterinärmedizinern entstand das Rezept für einen eigenen Hustensaft, den Halswohlsaft. Und der zeigte unmittelbar Wirkung. Nach nur einer Woche der Einnahme war Quattro wieder reitbar. Dieser Erfolg blieb nicht lange unbemerkt. Immer mehr Pferdebesitzer*innen wurden auf die Geschichte aufmerksam und baten die Seidls um Hilfe. „Damit haben wir gar nicht gerechnet. Wir haben dann aber beschlossen, ein Kleinunternehmen zu gründen“, so Ewald Seidl. Auch ein Name war schnell gefunden: Ewalia setzt sich aus den Vornamen des Ehepaars, Ewald und Cornelia, zusammen. Die Ansprüche an das neue Unternehmen waren zunächst gering: „Wir dachten, dass wir mit dem Erlös vielleicht ein bisschen Hafer für die Pferde einkaufen können“, so der Gründer. Es sollte weit mehr als ein wenig Hafer werden. Die Nachfrage stieg und mit ihr das Angebot von Ewalia. Nach dem Halswohlsaft folgten der Magensaft und der Nervensaft, dann der Bewegungssaft und der Leber-Nieren-Saft. Einige Rezepturen entwickelten das Ehepaar extra auf Kundenwunsch. 

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Ewalia setzt auf pure Kraft aus der Natur. 

Erste Durchbrüche

Schon bald besuchten die Seidls mit ihren Produkten ihre erste Pferdefachmesse in Berlin. „Dort hat sich noch niemand für uns interessiert“, erinnert sich Cornelia. Statt dem großen Erlös hatten Ewald und Cornelia auf ihrer Rückreise wertvollen Tipps der Mitbewerber im Gepäck. Der Markenauftritt solle verbessert und mehr in Verpackung und Vermarktung investiert werden. Die Seidls nahmen sich die Hinweise zu Herzen. Sie steckten ihr gesamtes Erspartes in Marketing, Verpackung und neue Etiketten. Ihr zweiter Messebesuch führte sie nach Essen, auf die EQUITANA. Die Neuerungen zeigten Wirkung. Die Messebesucher*innen kauften und nicht nur von den ersten Kund*innen, sondern auch von der Messe selbst bekamen die Unternehmer positives Feedback und Unterstützung mittels Mundpropaganda. Drei Wochen später stellten sie ihre erste Mitarbeiterin ein, weitere drei Wochen später folgte die zweite. 

Der sprichwörtliche Durchbruch war geschafft. Auf ihn folgte ein buchstäblicher Durchbruch, denn nach den ersten 120 Litern war die Kapazität der Stüberl-Küche erschöpft. In der angrenzenden Werkstatt wich das Werkzeug nun Glasflaschen und Etiketten und Ewald verband die beiden Räume miteinander. „Wir haben dann immer mehr Verpackung vorgekauft. Die musste irgendwo hin. Also haben wir den Reitstall ausgeräumt und eine Handvoll Pferde musste ausziehen“, sagt Cornelia. Auch das Wissen um die Kräuter baute das Ehepaar stetig aus. Beide absolvierten die Ausbildung zum Kräuterpädagogen und gaben schon bald ihre Jobs als Bauleiter und Finanzrevisorin auf, um sich vollkommen dem eigenen Unternehmen zu widmen. 

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„Die Oma hat immer gewusst, welches Kräutl sie nehmen muss”, sagt Ewald Seidl. Gemeinsam mit Ehefrau Cornelia ist so die Idee für Ewalia entstanden.
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Ewalia-Produkte gibt es übrigens auch für Hunde. 

Von der Steiermark in die ganze Welt

Aus den ersten 120 Litern sind mittlerweile 260.000 produzierte Liter Kräutersäfte pro Jahr geworden. Ewalia beliefert Kund*innen in ganz Europa und den USA. Im März dieses Jahres launchte Ewalia eine eigene Pflegelinie für den Menschen. Auch die Rezepturen der Shampoos, Körpermilche oder Duschgels spiegeln mit ihren Zutaten wie Lavendel, Ringelblume oder Brennessel die Grundidee des Unternehmens wider.

Trotz des Erfolges und des erhöhten Produktionsaufwands ist Ewalia zum Großteil Manufaktur geblieben. Die Säfte werden per Hand produziert, die Etiketten zum Teil noch händisch geklebt. An diesem Beispiel lässt sich einer der großen Werte des Unternehmens ablesen: Die Qualität steht bei Ewalia an oberster Stelle. Die Säfte sind Naturprodukte, ohne Chemie und auch ohne die Zugabe von Zucker. Die Kräuter werden sorgsam ausgewählt und unterliegen hohen Qualitätsstandards. Die Wirkung der Kräutersäfte wird regelmäßig in Kooperation mit der VetmedUni Wien in Studien überprüft. Im vergangenen Jahr gab es etwa eine Studie zum Shakingsaft, mit dem signifikante Verbesserungen erzielt wurden. „Im Mittelpunkt steht bei uns einfach die Gesunderhaltung unserer lieben Pferde“, fasst es Cornelia zusammen. Eine Philosophie, die von den Mitarbeiter*innen und auch dem gegründeten Reitsport-Team mitgetragen wird. Das Unternehmen konnte namhafte heimische Reitsportgrößen wie Markus Saurugg, Robert Mandl oder Jacqueline Toniutti gewinnen. Auch sie vertrauen der Kraft der Kräuter und den Rezepturen des Steirischen Unternehmens, deren Wurzeln weit in die Vergangenheit reichen. 

Fotos: © Ewalia GmbH