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 EKO0918Julia Sciancalepore ist Dressurreiterin. Sie hat Österreich bei den Paralympischen Spielen in Rio de Janeiro vertreten. Nun geht sie mit neuem Pferd und neuem Equipment an den Start. Ihr Ziel: Tokio 2020.

 

Julia Sciancalepore hatte als kleines Mädchen dieselben Träume wie vermutlich hunderte andere Gleichaltrige. Sie wollte reiten lernen und ein eigenes Pferd besitzen. Knapp zwei Jahrzehnte später sitzt sie in einem Reiterstübchen nahe Villach, kann auf eine steile Reitkarriere zurückblicken und erstrahl voll Stolz, wenn das Wort auf ihr neues Pferd kommt.

Julia Sciancalepore leidet seit ihrer Geburt an Zerebralparese mit Ataxie. Diese äußert sich in unkontrollierten Bewegungen, Gleichgewichtsstörungen und eingeschränkter Beweglichkeit. Die Leidenschaft zum Pferd entstand bereits in frühen Kindheitstagen. Im zarten Alter von drei Jahren startete Sciancalepore mit Hippotherapie, später folgten therapeutische Voltigierstunden. Doch das genügte der ehrgeizigen Kärntnerin schon bald nicht mehr. Sie wollte richtig reiten lernen und träumte davon, einmal selbstständig ausreiten zu gehen. „Dann kam aber zuerst die große Suche nach einem Reitstall, der es sich zutraut, jemandem mit Behinderung Reiten beizubringen“, erinnert sich die heute 22-jährige. Es folgten mehrmalige Stallwechsel bis sie bei Brigitte Griesser die Grundlagen erlernte und sich nach erfolgreicher Absolvierung des Reiterpasses ihren lang ersehnten Wunsch eines Ausrittes erfüllen konnte.

Mit Frascati, einem der Schulpferde, bestritt sie ihr erstes Turnier, die Österreichischen Meisterschaften im Jahr 2011. Nach der Pensionierung des damals bereits 28-jährigen Wallachs folgte vor sechs Jahren ein weiterer Stallwechsel zum Reitstall Wahl. Dort mietete sie das ehemalige Grand-Prix-Pferd Aristocrat, mit dem sie weitere Turniererfahrungen – auch in offenen Bewerben – sammelte.

Vor drei Jahren startete Julia ihre internationale Turnierkarriere im Sattel des Grand-Prix-erfahrenen Pommery, Mit ihm bestritt sie europaweit internationale Para-Turniere. „Nach meinem ersten Ausritt habe ich mir eben höhere Ziele gesetzt, dann kam das erste Turnier und plötzlich ist man dann in Rio“, sagt Sciancalepore lachend und spielt damit auf das Highlight ihrer bisherigen steilen Sportkarriere an. Im vergangenen Jahr vertrat sie die österreichischen Farben bei den Paralympischen Spielen am südamerikanischen Kontinent. Mit den Rängen 22 und 19 sowie Platz 8 in der Team-Klasse war ihr Olympia-Debut mehr als gelungen.

 EKO0913Der Hannoveraner Heinrich IV. wurde J. Sciancalepore von Petra Kerschbaum zur Verfügung gestellt. Foto: © Petra Kerschbaum


Vier Engel für Julia
Schon lange vor ihren größten Erfolgen wurde Petra Kerschbaum auf die Kärtnerin aufmerksam. Die Hobby-Pferdezüchterin und –fotografin lernte die Para-Reiterin auf einem Turnier kennen und war von deren Leistung beeindruckt. Aus dem ersten Kennenlernen im Jahr 2012 entstand eine gute Freundschaft, der vier Jahre später eine richtungsweisende Entscheidung folgen sollte. „Ich hatte viele schlaflose Nächte, weil ein ganz besonderes Jungpferd mit toller Abstammung bisher noch nicht verkauft wurde. Eines Nachts bin ich aufgewacht und dann kam mir die Idee“, erinnert sich Kerschbaum. Kurze Zeit später machte sie sich gemeinsam mit Julia auf den Weg nach Deutschland und stellte ihr den damals vierjährigen Heinrich IV. vor. Gerne erinnert sich Kerschbaum an diesen Tag zurück und erzählt dabei stets von einem Schlüsselmoment. „Julia stand neben Heini, hat gezuckt und er hat sich erschreckt. Dann hat er sie von oben bis unten beäugt und ab diesem Zeitpunkt hat sein Herz für sie geschlagen.“

 EKO0867Sie haben sich gesucht und gefunden: Heinrich IV. und Julia Sciancalepore.
Foto: © Petra Kerschbaum

Obwohl mit vier Jahren noch sehr jung und unerfahren ging Heinrich IV. überaus sanft mit der Kärntnerin um und gab stets Acht auf sie. Das erste und einzige Probereiten verlief sensationell. Obwohl Heinrich IV. zu diesem Zeitpunkt erst seit wenigen Monaten unter dem Sattel ging, zogen die beiden alleine ihre Runden über den großen Springplatz. „Die Zwei haben sich einfach gesucht und gefunden“, so Kerschbaum. Deshalb war es für die passionierte Züchterin auch keine schwere Entscheidung, Julia Sciancalepore das Pferd zur Verfügung zu stellen.

Mittlerweile ist Heinrich IV. fünf Jahre alt und darf im nächsten Jahr an internationalen Para-Turnieren teilnehmen. Seit rund zwei Jahren lebt der lackschwarze Wallach in Kärnten bei Julia Sciancalepore. Die beiden trainieren dreimal wöchentlich bei Sara Wahl und durften im Rahmen der Alpe-Adria-Tour im Oktober ein erstes Probeturnier absolvieren. Sie sind ein eingespieltes Team. Obwohl Julia aufgrund der Einstufung in Grad 1a auf Turnieren bis auf eine kleine Trabstrecke nur Schritt reiten darf, trainiert sie ihren "Heini" daheim in allen Grundgangarten. Die beiden arbeiten fleißig an sämtlichen Lektionen. Mittlerweile stehen Seitengänge und einfache Galoppwechsel ganz oben am Trainingsplan. „Mir ist es wichtig, meinem Pferd ein abwechslungsreiches Training zu bieten“, sagt die 22-Jährige. Neben dem Dressurtraining beschäftigt sie den Hannoveraner auch mit Freispringen, Bodenarbeit und sogar freiem Longieren.

 EKO1101Daheim werden auch Trab und Galopp trainiert. Foto: © Petra Kerschbaum

Neben Petra Kerschbaum hat die Nachwuchsreiterin mittlerweile weitere Unterstützerinnen gefunden. Nicola Baur-Rona und Pia Gabriel-Vaugoin, selbst passionierte Reiterinnen, waren sofort von der Kärntnerin begeistert und unterstützen sie finanziell. Auch die Geschäftsführerin der Reitmanufaktur, Nina Wagner, wurde durch Petra Kerschbaum auf das aufstrebende Paar aufmerksam. Sie sponserte der Kärntnerin einen maßangefertigten Sattel der Marke Custom im Wert von rund € 4.000,-, den sie Julia Ende November feierlich übergab. „Ein eigenes Pferd zu haben ist ein ganz großer Traum eines jeden Mädchens. Dass mir das passiert, ich ein Pferd geschenkt bekomme und so viel Unterstützung habe, ist unfassbar!“, sagt Julia strahlend.

 EKO0879Der maßgeschneiderte Custom-Sattel mit rot-weiß-roter Flagge wurde von Nina Wagner gesponsert. Foto: © Petra Kerschbaum

 EKO0934Dreamteam: Trainerin Sara Wahl, Julia Sciancalepore, Züchterin Petra Kerschbaum und Sattlerin Nina Wagner mit Heinrich IV.
Foto: © pferdenews.eu


Road to Tokyo
Unter den zufriedenen Blicken von Petra Kerschbaum und Nina Wagner drehen Julia Sciancalepore und Heinrich IV. die ersten Runden mit neuem Sattel auf dem heimischen Reitplatz. Der Wallach beweist auch dieses Mal, dass er Spaß an der Arbeit hat, geht motiviert vorwärts und ist mit einem Ohr immer bei seiner Reiterin. Gemeinsam zeigen sie starken Schritt, Schenkelweichen und Trabarbeit. „Ich bekomme jedes Mal Gänsehaut, wenn ich ihnen zuschaue. Das war definitiv meine beste Entscheidung ihr das Pferd zu geben“, sagt Kerschbaum mit stolzem Blick auf den Wallach. Am 1. November wurden die beiden als erstes Para-Dressur-Team in den österreichischen Heeressportverein aufgenommen.

 EKO1050Seit November reitet das Duo für das österreichische Bundesheer.
Foto: © Petra Kerschbaum.

Der Rappe mit Abstammung von Heinrich Heine x De Niro x Argentan überzeugte in diesem Jahr bereits in zwei DPA-Prüfungen. In beiden erreichte er eine Platzierung mit hohen Bewertungen für seine Gangarten. Vor allem seinen ausdrucksstarken Schritt soll er in der kommenden Saison mit Julia Sciancalepore voll ausspielen. Die beiden haben ihre Jahresplanung schon abgeschlossen. Über internationale Para-Turniere, unter anderem in Mailand und Stadl-Paura, wollen sie sich für das österreichische Para-Aufgebot für die Weltreiterspiele 2018 im US-amerikanischen Tryon qualifizieren. Dieses Turnierhighlight soll aber nur ein Meilenstein auf dem Weg zum neuen selbst gesteckten Ziel, den Paralympischen Spielen in Tokio 2020, sein. Ehrgeizig und dennoch mit der nötigen Lockerheit trainiert die Kärtnerin auf dieses sportliche Event hin und bleibt wohl ihrem Motto für Turniere treu: „Dann fahren wir halt in Urlaub und reiten dort die Aufgaben!“

 

Fotostrecke: 

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Vor Ort wurde der Sattel noch einmal von Nina Wagner aufgepolstert. Foto: © Petra Kerschbaum

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Maßgeschneidert für Pferd und Reiterin: der neue Custom-Sattel. Foto: © Petra Kerschbaum

 EKO0907"Dass mir so etwas passiert, ist unfassbar." Foto: © Petra Kerschbaum

 EKO0973Julia Sciancalepore mit Heinrich IV. und Sponsorin Nina Wagner (v.r.). Foto: © Petra Kerschbaum

 EKO1089Erster Proberitt mit dem neuen Sattel: sensationell gelungen! Foto: © Petra Kerschbaum



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Weitere Informationen zur Zucht von Petra Kershcbaum gibt es hier.
Mehr zur Reitmanufaktur von Nina Wagner finden Sie hier


 

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